Jürgen Kuhlmann: Kat-holische Gedanken

Katholisch die Göttin ehren

Kommentar zum feministischen Manifest
eines klugen Mannes


*2* Auch ich habe sie 1961 entdeckt, voller Herzklopfen, nicht als das Zentrum sondern als eins der drei Antlitze des Zentrums, die anderen beiden sind mir Jesus Christus und sein "Abba" = Papi.

*3* Unterscheiden wir zwischen Christentum und Christenheit. Weil "christlich" beides meint, sind Mißverständnisse unvermeidbar. Das Christentum erfüllt fremde Religionen, die Christenheit widerspricht ihnen mit dem Recht jedes Sinn-Organs, nach anderem Programm als die übrigen zu leben. Schmisse schon der Magen aus dir, was erst der Niere gebührt, würde dir übel. Magen und Niere müssen einander widersprechen. Nicht weil ein Programm an sich falsch wäre, sondern weil, gälte es hier, dieser Sinnbereich gestört würde. Deshalb müssen Christenheit und Thomanns feministische Spiritualität einander so lange widersprechen, wie sie sich begrifflich noch nicht zu dem ausgewogenen Gefüge verbinden, das beide eigentlich meinen.

*4* Daß die Alte Kirche dagegen etwas hatte, leuchtet Augustinus-Lesern ein. Er war im Karthago seiner Jugend solchen Prozessionen schaudernd begegnet:
"Ich sehe sie noch wie gestern mit ihren salbentriefenden Haaren und blaß geschminkten Gesichtern, schlaff und mit weibischem Gang durch die Gassen und Gäßchen Karthagos gehen ... Die Große Mutter hat ihre Göttersöhne übertroffen, aber nicht mit der Größe ihrer Gottheit, sondern ihres Verbrechens ... Sie hat die Kastrierten sogar in die römischen Tempel hineingebracht und hat diese wilde Sitte beibehalten, um glauben zu machen, sie helfe den Kräften der römischen Männer, indem sie ihnen ihre Manneskraft nehme. Was sind neben diesem Greuel die Diebereien eines Merkur, die Geil­heit einer Venus, die Hurereien und Schändungen der übrigen, die wir aus den Büchern anführen würden, wenn sie nicht Tag für Tag in den Theatern besungen und dargestellt würden ... Das Verbre­chen der Göttermutter hingegen, die sich zu ihrer Anbetung Ver­schnittene weihen ließ, haben sich keine Dichter ausgedacht, sie haben es eher verurteilt als besungen" (Augustinus, Der Gottes­staat (VII,26), deutsch von Carl Johann Perl, Salzburg 1951, I,399 f).

*5* Bis ins heutige Polen!

*6* In der Sinndimension der Göttin: Mag sein. In den anderen beiden: Nein. Ohne die anderen verkehrt sich aber jede, wird nicht bloß falsch sondern buchstäblich teuflisch. Alles Teuflische spaltet gewalttätig eine göttliche Dimension von den anderen ab. Die allverschlingende Hexe ist um nichts besser als das rücksichtslos auftrumpfende Ego und der ichvergiftende Tyrann da droben.

*7* Meiner dürfte 1961 einer der allersonderbarsten gewesen sein: Kalte "Trinitätsmathematik"!

*8* der jeweilige Kanon mit den Mauern dazwischen. Schaden die den Fenstern?

*9* Bei der Mutter geschieht das eben jetzt. Christlich-feministische Theologie ist überzeugt, daß "der" Heilige Geist für Jesus die Heilige Ruach war und es für die Christen wieder wird.

*10* Für die ISIS-Gruppe mag das genau ihre richtige Glaubensweise sein, kat-holisch ist allein die totale Gleichberechtigung der drei-einigen Sinnweisen EINS DU ICH.

*11* Hier muß ich Günther Thomann doch widersprechen: (gemäß dem Rat Pascals) aber nur so, daß ich sein Bild der Dreieinigkeit (das traditionell übliche mit den drei Personen im fernen Himmel) ebenso ablehne wie er. Wahre drei-einige Spiritualität enthält die weibliche Ruach-Wahrheit voll in sich. Pascal schreibt (Übersetzung v. Klaus Kiesow): "Will man mit Nutzen ein Gespräch weiterführen und einem anderen zeigen, dass er sich irrt, so muss man darauf achten, von welcher Seite er die Sache in den Blick nimmt. Von dieser Seite her gesehen ist sie nämlich für gewöhnlich wahr. Diese Wahrheit muss man ihm zugeben und ihm zugleich jene andere Seite deutlich machen, von der her gesehen sie falsch ist. Damit wird er zufrieden sein, denn er sieht, dass er sich nicht getäuscht hat, sondern nur nicht alle Seiten wahrgenommen hat. Tatsächlich empfindet man es nicht als Kränkung, nicht alles zu sehen, aber man will nicht getäuscht werden. Das kommt vielleicht daher, dass der Mensch nicht alles sehen kann und dass er sich von Natur aus nicht täuscht in dem Blickwinkel, von dem aus er sieht, so wie sinnliche Wahrnehmungen immer wahr sind."

*12* Dem Gemeinten stimme ich zu, der Jung'sche Begriff allerdings scheint mir irreleitend. Nicht um Individuation allein geht es sondern um wohlbalancierte Teilhabe an allen drei Sinndimensionen: Urvertrauen zur Geborgenheit in der Mutter, Mittun und -leiden beim guten Kampf des Vaters wider alles Böse, Selbstand des mündigen göttlichen Kindes. Dasselbe meint der Verfasser.

*13* Auf meine Frage, ob es auch jüdisch-feministische Theologie gebe, sagte mir Frau Lapide: Aber ja. Der NAME wird meist falsch übersetzt. Es heißt nicht "Ich bin der ich bin" sondern "Ich bin wer ich bin".
Mehr als andere müssen wir Deutsche uns hüten, den jüdischen Glauben abzuwerten. Was militante Juden, Christen und Muslime daraus machten, ist zu kritisieren, nicht aber die Offenbarung des lebendigen Gottes.

*14* Meine positive Bewertung steht im Artikel über Hans Henny Jahnn.

*15* Nein, vielmehr in den Übersetzungen, allerdings auch schon den ältesten.

*16* Dagegen erhebt sich unter Christen neuerdings Widerspruch. Eine herrliche Szene erzählt mein Freund Hannjürg Neubauer aus einer Religionsstunde: "Im Religionsunterricht erzählte ich achtjährigen Schülern als eine Geschichte die Erfahrung des Mose auf dem Berg Horeb. In der nächsten Woche fragte ich sie wieder danach, und sie erzählten. Ich fragte sie: "Wie ist also der Name Gottes?" Die Antwort kam sofort, von allen: "Ich bin da, ich bin da, ich bin da." Ich sagte: "Nein, das ist nicht der Name Gottes, so nicht. Wie ist der Heilige Name wirklich?" Die Kinder zeigten mir ihre Hefte: "Du hast es doch so erzählt, wir haben es aufgeschrieben: "Ich bin da". Es gab einen kleinen Tumult und die Kinder verloren langsam das Interesse. Auf einmal stand eines von den Mädchen auf, lachte mir ins Gesicht, breitete die Hände aus und sagte: "ICH bin da". Die Jungen protestierten und riefen: Das haben wir doch alle gesagt. Und sie sagte noch einmal: "Nein. ICH bin da." Ein paar der Kinder haben es dann auch verstanden. Aber die Kleine wusste es: SIE IST DA."

*17* Päpstliche Anordnungen dazu.

*18* Dies zu verkünden war Jesu Auftrag und Lebensleistung.

*19* Von "creatio continua", andauernder Schöpfung spricht auch die klassische katholische Theologie. Der siebte Tag, an dem Gott ruht, ist (von uns aus gesehen) noch gar nicht angebrochen, "der siebte Tag werden wir selbst sein", freut sich Augustinus. Es gibt auf Hebräisch keine Vergangenheitsform, nur den Gegensatz unabgeschlossener und abgeschlossener Handlungen. "Am siebten Tag wird Gott ruhen" ist auch eine richtige Übersetzung.

*20* Ausnahme: Eine lebensrettende Transfusion vom Gesunden zum Kranken.

*21* Selbst dieses fernöstlichen Begriffs kann ein Christ sich ohne Verstoß gegen das Dogma bedienen.

*22* Wichtige Ergänzung! Daß Allmacht ein in sich widersprüchlicher Begriff ist, hat Hans Jonas gezeigt. Die richtigere Übersetzung des griechischen "Pantokrator" ist denn auch nicht "allmächtig" sondern "Allherrscher".

*23* Verbote gehören weg, Warnungen vor Mißbrauch bleiben nötig. Vieles, was sich esoterisch nennt, leitet nicht Seelen nach innen sondern bloß Geld in dubiose Kassen.

*24* Ähnlich, wie der ewige Kampf zwischen Zebra und Löwe an der Tränke nicht gilt. In der Steppe schon. Wohin eine Gesellschaft angeblich ohne Konkurrenz führt, erlitten mißachtete Kunden im sozialistischen Osten. Wer diesen Aspekt total ausblendet, verhält sich als "Gutmensch" im üblen Sinn. Die Spannung EINS/ICH hat an einer innergöttlichen teil! Vgl. Pred (Koh) 3,8 sowie da und dort.


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an,

seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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